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Kitchener Island
Lord Horatio Herbert Kitchener (1850-1916) gab der kleinen Insel bei Assuan diesen Namen. Er lebte um die Jahrhundertwende einige Jahre dort und wie es scheint wollte er ein kleines aber feines Paradies erschaffen, indem er Pflanzen verschiedenster Art aus aller Welt mitbrachte. Nach politischen wie auch militärischen Aktionen konnte er sich auf dieser Insel, die man ihm für die Kampagnen im Sudan und die Niederschlagung des Mahdi Auftsandes überließ, erholen. Zudem war Lord Kitchener von 1911-1914 Vizekönig von Ägypten und Sudan.
Das Kitchener Island, welches heute, aufgrund des Namensursprungs in der Kolonialzeit, Geziret El-Nabatat (Pflanzeninsel) genannt wird, ist tatsächlich ein Ruhepol, sowohl für von der Reise gestreßte Touristen wie auch für die Einheimischen. Aber lasst euch erzählen....
Unser Schiff lag in Assuan vor Anker und ein erholsamer Ausflug auf dem Kitchener Island lag vor uns. Unsere Reisegruppe fuhr mit mehreren Feluken hinüber zur Insel. Feluken sind Boote mit riesigen weißen Segeln. Das bedeutet, steht der Wind gut, fährt man unter Segel, ansonsten müssen die "Käpt´ns" eben selber rudern. Bei unserer Tour herrschte ein leichte Brise und so glitten wir den Nil entlang. An der Insel angekommen ging es zunächst die in Fels gehauenen Stufen hinauf, vorbei an zahlreichen kleinen Händlern, die von Postkarten über Souvenirs bis Gewürzen alles zum Kauf anboten. Aber das interessierte uns wenig und wir waren schon geübt im Abwimmeln der Marktleute. Oben angekommen lag ein herrlicher Anblick vor uns: Blumen, Büsche, Bäume......
Der kleine Wegweiser ließ uns den Rundgang erkennen, der teilweise wohl eher einem Trampelpfad glich, dennoch den Charme dieser kleinen Insel nicht im geringsten verlieren ließ. Und obwohl sich sehr viele Menschen auf dieser Insel aufhielten, (schließlich war Freitag, was unserem Sonntag gleichzustellen ist) war es hier idyllisch ruhig.
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Nun hab ich´s ja nicht so mit Namen von Pflanzen, deshalb kann ich euch auch nur explizit sagen, dass ich Rosen und Orchideen gesehen und mit einem Mammutbaum geflirtet habe. Alles andere war bunt, manchmal auch seltsam, aber immer interessant anzusehen. Seltene Vögel, die in ihren Gehegen flatterten, konnten wir inmitten dieser bezaubernden Pflanzenwelt ebenso entdecken wie die prachtvollsten Schmetterlinge. Zwischen den verschiedenen Bäumen, die willkommenen Schatten spendeten, sahen wir immer wieder Einheimische mit dem Picknickkoffer und spielenden Kindern. Am Ausgangspunkt angekommen gab es ein Café, vor dem Tische und Stühle auf einer Terrasse standen. So genehmigten wir uns noch ein Tässchen Tee, schauten über den Nil hinüber nach Assuan und unterhielten uns mit unserem Reiseleiter und anderen Touristen über das Gesehene. Dann traten wir die Rückfahrt zu unserem Schiff an. Auf unserer Feluke hatte sich ein nubischer Händler eingefunden und seine Ware dekorativ auf einem großen Tuch inmitten des Bootes ausgebreitet. Wir hatten erwartet, das nun gleich das aufdringliche Feilschen und Handeln losgehen würde. Aber nichts dergleichen geschah. Unser Reiseleiter erklärte uns, dass die hier angebotenen Schmuckstücke von den Frauen und Töchtern der Händler handgefertigt würden. Die kleinen Kugeln und Scheiben aus Holz und Alabaster waren auf Fäden aufgereiht und es waren durchaus hübsche Stücke dabei. Auch ich hatte mich in eine Kette verguckt, die in meinen Augen Afrika versinnbildlichte: verschieden geformte Holzstücke wechselten sich mit kleinen Tieren wie Zebras und Elefanten aus Alabaster ab. Der nubische Händler redete nur dann, wenn er von uns angesprochen wurde und unser Reiseleiter übersetzte uns seine Antworten. Also fragte ich nach dem Preis, der mich dann doch sehr verwunderte: 4 Euro (umgerechnet). Ich wollte sofort kaufen, aber da man in Ägypten als unhöflich gilt, wenn man nicht handelt, habe ich den Preis auf 3 Euro runtergedrückt und dann gekauft. So auch die anderen Leute auf dem Boot. Als der "Kaufrausch" vorbei war, packte der Nubier den Rest seiner Waren sorgfältig wieder zusammen und setzte sich schweigend in eine Ecke des Bootes.
Übrigens, diese Kette ist eines meiner liebsten Schmuckstücke und wann immer ich sie trage, denke ich an den freundlichen nubischen Händler.
Ich kann euch nur empfehlen: Lasst euch den Ausflug zum Kitchener Island nicht entgehen!
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